HISTORY CASTELL

 
Vor über 85 Jahren begann die Geschichte der Gräflich Castell'schen Delikatessen in Griestal. Seit diesem Zeitpunkt befindet sich unsere Delikatessen Manufaktur in Familienbesitz.

Wulf-Diether Graf zu Castell-Rüdenhausen schuf zusammen mit seiner Frau, der Schauspielerin Luise Ulrich, die Marke Alpenland und machte diese weltweit für Fischdelikatessen aus dem Allgäu berühmt.

Seit jeher wird größter Wert auf die optimale Qualität der Produkte gelegt und auf Naturverträglichkeit und Nachhaltigkeit geachtet.
 
Sorgfältig ausgewählte Rohware bester Herkunft sowie die Kombination aus traditionsreicher handwerklicher Veredelung und der Suche nach Innovationen  bilden die Grundlage für die höchsten Qualitätsansprüche der Gräflich Castell'schen Delikatessen.
 
Die Tochter von Wulf-Dieter Graf zu Castell-Rüdenhausen Michaela Rosemeyer-Gräfin zu Castell, hat bis zu ihrem Tod im Jahr 2011 Marke und Namen weiter geprägt.
 
Heute kümmern sich ihr Neffe Anton Andreas Graf von Faber-Castell in dritter Generation auf der 13 Hektar großen Anlage darum, dass hier mit Liebe zu Tradition und Qualität gearbeitet wird.
 
Der Erhalt der 950-jährigen Familienwerte liegt allen am Herzen: Altes bewahren und Neues entdecken.
 
 

Familiengeschichte

Wulf-Diether

Geschrieben von: Michaela Rosemeyer   (KW34/2004)  
Ein friedlicher Ritter der Lüfte, Flugpionier, Planer und Prophet
Mein Vater: Wulf-Diether Graf zu Castell-Rüdenhausen.

 

Erst als ich anfange, über ihn zu schreiben, merke ich, wie wenig ich eigentlich von ihm weiß. Für mich tauchen Fragmente auf, wie das kurze Räuspern am Telefon und dann das knappe: „Castell". Ich sehe ihn vor mir mit der dicken hellbraunen Lederaktenmappe, in der neben Zeitungen Akten und anderen Arbeitsunterlagen vom Flughafen waren. Dann der Gang zu dem kleinen Schränkchen mit der herrlichen Schokolade, die natürlich nur heimlich vor dem Abendessen genascht werden durfte. Am liebsten hatte er es, wenn meine Mutter kochte, aber das kam nicht so oft vor - wir hatten wegen ihrer Berufstätigkeit Hausmädchen .Unser Tischgetränk war immer Himbeersirup, aber vielleicht sollte ich das an dieser Stelle besser nicht erwähnen.
Ich sehe ihn vor mir, am Steuer unseres Wohnwagenbusses chauffieren und nach einem geeigneten Standplatz Ausschau halten, mit der weißen Kappe, damit ihn seine langen blonden Haare nicht störten. Oder beim Skifahren, voller Freude und immer sehr eleganter Haltung auf der Suche nach dem perfekten Wedelschwung. Am Abend wurde manchmal vorgelesen aus einem Bergsteigerbuch, denn er bewunderte diese kühnen Menschen, war er doch selbst so ein wagemutiger Pionier. Aber das habe ich nie so realisiert. Seine Bescheidenheit war eine seiner großen Tugenden.
 
 
Mein Vater wurde 1905 in Berlin geboren und verbrachte seine Kindheit in der Mark Brandenburg, im heutigen Polen. Das Schloss Seeläsgen lag an dem herrlichen Nieschlitzsee und war umgeben von Wald. Obwohl er die Fischerei und die Jagd sehr liebte, hatte er immer Sehnsucht nach der Ferne. Nach dem Abitur besuchte er noch für einige Zeit die dortige Landwirtschaftsschule. Seine Eltern hätten es gern gesehen, wenn er einen landwirtschaftlichen Beruf ergriffen hätte. Aber sein Entschluss stand schon früh fest: er wollte Flieger werden.
1926 erwarb er den Pilotenschein, und neben seinem Jurastudium an der Ludwig-Maximilians Universität München unterrichtete er an der Verkehrsfliegerschule in Schleißheim. Mit 25 Jahren wurde er Flugzeugführer bei der Deutschen Lufthansa und von 1933-36 beauftragt, in China mit der Lufthansa-Tochtergesellschaft Eurasia ein durchgehendes Flugverkehrsnetz aufzubauen. Bei dieser Flugpionierarbeit entstanden die einmaligen Luftaufnahmen, die er im Bildband „Chinaflug" veröffentlichte.
 
 
Fliegen war unvergleichlich schöner als heute, aber viel gefährlicher, da große Strecken ohne Funkkontakt geflogen werden mussten. Flieger mussten sich häufig nur auf ihre Augen verlassen, sich nach Flussläufen oder Bergen orientieren. Die Karten taugen noch nicht viel. Oft verflogen sich die Piloten über Gegenden, die „bis dahin kaum ein Europäer gesehen hatte". Seine Luftaufnahmen von der Terra incognita gehören zu den faszinierenden Raritäten der Fliegergeschichte. 
 
 
Notlandungen wegen Treibstoffmangel und Navigationsfehlern waren nicht selten, und es dauerte meist lange, bis Hilfe und Ersatzteile aufgetrieben wurden. Vor allem ließ der Zustand der Start- und Landebahnen zu wünschen übrig: Sie waren schlecht befestigt und verwandelten sich bei Regenfällen in gefährlichen Matsch. Auch die übergroßen Ballonreifen halfen nicht immer. So versank seine 8 t schwere Ju 52 einmal so im Sumpf, „dass wir fast zu ebener Erde aussteigen konnte." Die „geliehenen" zehn Wasserbüffel konnten nicht dazu bewegt werden, ihre Arbeit zu tun. Schließlich wurde die Maschine erst ausgegraben und dann Meter für Meter auf Holzbohlen vorwärts bewegt – eine Arbeit von zehn Tagen!
 
 
Er zeigte immer eine Vorliebe für das Erkunden und Vorstoßen in Neuland, wie z. B. die Strecke Berlin – Moskau – Shanghai, wo er im Tiefflug beschossen wurde, oder die Fluglinie Berlin – Kabul, die er einrichtete, damals mit 6.600 km die längste Flugstrecke der Welt. Er flog diese Route als erster Pilot mit nur zwei Passagieren an Bord. Mehr konnten nicht mitgenommen werden, da der übrige Platz für Fracht, Post und Treibstoff benötigt wurde! Er brauchte für den Flug 36 Stunden.
Mein Vater flog sein Leben lang trotz seiner Kühnheit unfallfrei und sorgte auch in Südamerika von 1939-1941 mit seinen spektakulären Andenüberquerungen für Pioniertaten.
In Peru wurde ihm gemeldet, auf dem Flughafen von Arequipa sei die berühmte Schauspielerin Luise Ullrich – eine „Aussteigerin" wurde es heute heißen. Ein Buch wollte sie schreiben: „Sehnsucht wohin führst Du mich". Natürlich wollte er sie unbedingt kennen lernen.
Es war meine Mutter! Sie beschreibt diesen Augenblick so: „Das Besondere an ihm war seine unaufdringliche Selbstverständlichkeit, mit der er vom ersten Augenblick an unser beider Leben in die Hand nahm... plötzlich wusste ich, wo ich hingehöre."
 
 
1941 kehrte mein Vater nach Berlin zurück. Über die Nacht vor ihrer Hochzeit am 16. Februar 1942 in Berlin schreibt meine Mutter. „In Gedanken flog ich mit. Bis um 3 Uhr nachts konnte ich ruhig schlafen. So um 4 Uhr stellte ich mir den Wecker und fing an, Daumen zu halten. Denn dann kamen die englischen Nachtjäger von Korsika. Ich wollte mir nichts Genaueres darunter vorstellen, ich hielt halt die Daumen." Es war eine echte Kriegshochzeit. Ihr folgte eine lange und sehr glückliche Ehe. Kühn und erfolgreich war seine fliegerische Laufbahn bis zum Schluss 1945, wo er noch die Fluglinie Berlin – München – Mailand – Barcelona flog und damals manchem Jagdflieger das Fürchten lehrte.
1943 kam meine Schwester Gabriele in Dresden auf die Welt, und ich wurde nach der Flucht 1945 in München geboren.
 
Seine Karriere am Münchner Flughafen begann mein Vater als Radfahrer. Mit dem Drahtesel fuhr er durch das zerbombte München nach Riem und wurde von den Amerikanern 1946 als ziviler Verbindungsmann zu den deutschen Behörden berufen. Mit der Gründung der „Flughafen München-Riem GmbH" 1949 wurde aus dem „Zivilen Koordinator" ein zielstrebiger Flughafen-Chef. Er hauste in einer kleinen Baracke auf Kisten, arbeitete bei Kerzenlicht bis lange in die Nacht hinein. Er meisterte die Hinterlassenschaft des Chaos. Er plante dort, wo nichts war, außer herunterhängenden Decken, eingestürzten Mauern, kaputten Fenstern und dahinter nichts. Er wohnte in einem ungeheizten Zimmer in der Pestalozzistraße und konnte erst später zu der ganzen Familie nach Garmisch ziehen.
Mit der Bundesrepublik ging es aufwärts, und aufwärts ging es mit dem Flughafen Riem.
Im damaligen Brunnenhoftheater stand meine Mutter auf den Brettern, die weniger die Welt bedeuteten als Brot für unsere Familie. Es war das Stück von Thornton Wilder „Wir sind noch einmal davongekommen". Auch wir waren noch einmal davongekommen. Wir zogen von Garmisch nach Grünwald in unser neues Zuhause in die Straße, die ausgerechnet nach Hugo Junkers benannt war, dem Mann, der das Flugzeug konstruiert hatte, das mein Vater vor dem Krieg so häufig geflogen war!
 
 
In 24 Jahren machte er aus Riem einen Flughafen von Weltruf und leitet die Planung des neuen Großflughafens München II. welchen Klang sein Name über die deutschen Grenzen hinaus hatte, kann man in dem bekannten Roman „Airport" von Arthur Heiley lesen. Dort zählt er zu den paar Männern „mit der größten Phantasie über Flughäfen und die Zukunft!" Mit der Entscheidung für einen neuen Flughafen sah mein Vater die später eingetroffenen Schwierigkeiten voraus. Schon 1967 prophezeite er, dass München II für die Olympischen Spiele mit Sicherheit nicht zur Verfügung stehen würde, weil die Gegner des Projektes mit allen Mitteln dessen Bau verzögern würden.
Sein entschlossenes und mutiges Eintreten für die Belange des Luftverkehrs machte ihn zum Feind vieler Gegner des neuen Flughafenprojekts. 1971 wurde in unserem Haus in Grünwald sogar ein Sprengstoffanschlag auf ihn verübt. Zum Glück wurde er nicht verletzt.
Was er als alleiniger Geschäftsführer bis Ende 1972 auf seinen Schultern trug, wurde später auf drei Manager verteilt. Die Zeit der Alleinverantwortung war vorbei. Einen Allround-Mann seines Schlages, mit seiner fliegerischen Erfahrung und menschlichen Größe, gibt es nicht so schnell wieder.
Auf dem ehemaligen Flughafengelände, auf „seinem Rollfeld" in Riem, wo heute die Messestadt mit vielen Baustellen steht, erinnert die Graf-zu-Castell-Straße an ihn. Sie führt auf das damals schönste und zentralste Flughafengebäude, die Wappenhalle zu.
Im Ruhestand widmete er sich dann doch noch der Landwirtschaft, seiner 1959 erworbenen Forellenzucht, die Gräflich Castell'sche Fischzucht Alpenland im Allgäu, die ich heute leite. Sie zählt zu den renommiertesten Fischzuchten in Süddeutschland. Natürlich wurden ihm auch da Ämter angeboten. Er war u. a. Vorsitzender des deutschen Binnenfischereiverbandes.
 
 
1980 musste mein Vater, der Notlandung und zwei Weltkriege überlebte, an den Folgen eines Leitersturzes sterben. Die ungewöhnlich große Zahl derer, die zu seiner Beerdigung kamen, war eindrucksvolles Zeugnis seiner Beliebtheit.
Meine Erinnerung an ihn ist so lebendig, als könnte er gleich mit seiner lässig eleganten Erscheinung zur Tür hereinkommen. Ich hatte ein großes Glück, einen so außergewöhnlichen Vater gehabt zu haben – und ich vermisse ihn!
Michaela Rosemeyer, Dipl.-Ing. Innenarchitektur, ist die Tochter von Wulf-Diether Graf zu Castell-Rüdenhausen (1905-1980) und der Staatsschauspielerin Luise Ullrich (1910-1985); verheiratet mit Prof. Dr. Bernd Rosemeyer, Orthopäde und Sportmediziner, Sohn des Rennfahrers Berd Rosemeyer, der 1938 bei einem Geschwindigkeitsrekordversuch mit 440 km/h tödlich verunglückte, und der berühmten Fliegerin Elly Beinhorn, die als erste Frau allein um die Welt flog und die mit über 100 Jahren starb. Das Ehepaar Rosemeyer und zwei erwachsene Kinder wohnen in München.